Katrin Schindele im Austausch mit Dieter Fahrner von Fahrner Logistics aus Dornstetten

Wie sich die Antriebstechnologien im Bereich der Nutzfahrzeuge weiterentwickeln werden, darüber konnte man sich wieder auf der diesjährigen IAA Transportation Messe in Hannover informieren. Katrin Schindele verschaffte sich zeitgleich einen Überblick bei Fahrner Logistics über einige der Entwicklungen und deren aktuellen Stand im praktischen Testverfahren.

Man sieht sie auf der Autobahn bei Darmstadt und seit etwa einem Jahr auch bei Kuppenheim im Murgtal. Angekündigt durch Hinweistafeln wurden hier Oberleitungen für den „eWayBW“ errichtet, die eine Art Laborversuch für Lastwagen mit hybridem Antrieb ermöglicht. Bei diesem Versuchsaufbau wird, für den Transport von Gütern auf einer regional begrenzten Strecke, der Einsatz eines hybriden Antriebs mit Diesel, Batterie und Oberleitung getestet. Das Fahrzeug kann, je nach vorhandenen Quellen, dabei selbst bestimmen, welche Energiequelle genutzt wird oder aber der Fahrer schält die gewünschte Quelle manuell hinzu. Das Fahrzeug verfügt über einen Dieselmotor, eine Batterie und für die Nutzung der Oberleitung über einen Bügel, durch den das Gesamtgewicht des LKWs um etwa 1,5 – 2 Tonnen zunimmt. Fährt das Fahrzeug unter der Oberleitung, aktiviert sich der Bügel automatisch und es wird ein Spurhalteassistent mit Tempomat genutzt, bei deren Ausfall der Bügel automatisch wieder weggeschalten wird. Der Kontakt mit der Oberleitung gewährleistet dabei nicht nur den Betrieb des Fahrzeugs, sondern kann währenddessen auch die Batterie aufladen. Abhängig vom Gelände kann unter Umständen, soweit die Theorie, durch Rekuperation so viel Leistung erzeugt werden, dass Energie auch wieder an die Oberleitung abgegeben werden kann.

„Die Herausforderungen des Klimawandels machen es notwendig, dass wir alternative Antriebsmöglichkeiten entwickeln und testen. Verschiedene Antriebsarten können dabei für verschiedene Einsatzzwecke genutzt und ihre Vorteile ausgespielt werden. Die gegenwärtigen Herausforderungen bei der Stromerzeugung zeigen, dass wir auch im Bereich der Mobilität auf verschiedene Pferde setzen und diversifizieren müssen, um nicht in mögliche Abhängigkeiten zu geraten oder von volatilen Preisentwicklungen getroffen zu werden,“ sagte Katrin Schindele.

„In den vergangenen Jahren waren zwei Teststrecken für Oberleitungen in den Medien präsent, von denen bei uns wohl am ehesten die Teststrecke auf der Autobahn bei Darmstadt bekannt ist. Als Land des Automobils sollten wir bei der Entwicklung von neuen Technologien vorangehen und es war mir wichtig, Fahrner Logistics als Anwender zur Verfügung zu stellen, um an verschiedene Versuchsaufbauten mitzuwirken und unseren Teil zur Entwicklung alternativer Antriebsmöglichkeiten beizutragen. Der gegenwärtige Versuchsaufbau in Kuppenheim ist auf einen Zeitraum von 3 Jahren ausgelegt, von denen wir bereits das erste Jahr hinter uns haben,“ erläuterte Dieter Fahrner, dessen Unternehmen mit Sitz in Dornstetten mehrere Standorte mit etwa 1.100 Mitarbeitern betreibt.

„Mit dem Bau von etwa 3.000 km Oberleitungen in Deutschland könnte rund 85% des nationalen innerdeutschen Verkehrs betrieben und die Batterien der LKWs für die Fahrt zwischen den Oberleitungen aufgeladen werden,“ bemerkte Dieter Fahrner weiter.

Dabei ist der Versuchsaufbau in Kuppenheim einer von drei Projekten, an denen sich Dieter Fahrner beteiligt. Parallel dazu findet ein Versuch mit rein von einer Batterie getriebenen LKW an einem Standort in Öhringen und ein weiterer Versuch für Wasserstoffantriebe mit einer Reichweite von bis zu 800 km statt.

„Etwa 30 Wasserstofftankstellen an strategisch gewählten Orten könnten ausreichen, um die Infrastruktur für diese Technologie zu stellen. Auch wenn der Ausgang eines Versuchs oder die tatsächliche Verwendung einer Entwicklung nicht vorausgesagt werden kann, ist es wichtig, Ideen in der Praxis zu testen, um ihr Potential zu ermitteln. Ich freue mich sehr, dass wir mit Dieter Fahrner einen Geschäftsführer haben, der mit mehreren parallel stattfindenden Versuchen zu verschiedenen Antriebsarten tatkräftig vorangeht und deren Entwicklungen gestaltet,“ so Katrin Schindele abschließend.


Dieter Fahrner, Katrin Schindele, Thomas Mast

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